Improtheater „Springmaus“ an Board der Queen Elizabeth II

Die Briten sind bekannt für ihren Humor. Was lag da näher, als dass ein britisches Kreuzfahrtschiff für seine deutschen Urlaubsgäste zwar keinen britischen,  aber immerhin exzellenten  deutschen Humor gleich an zwei Abenden servieren ließ.

Vera Passy und Alexis Kara
bei ihrem Auftritt auf der QE II
Foto: © Hans-J. Hinken

Vera Passy, Tobias Schneider und Alexis Kara vom Improtheater „Springmaus“ waren zu Gast an Board der Queen Elizabeth II von Hamburg über Schottland, Island, Norwegen und zurück nach Hamburg.

Nachdem wir uns über den „Bodenseh-Kaffee“ und andere Absurditäten an Bord unterhaltsam ausgetauscht hatten, konnten wir uns dem eigentlichen Grund unseres Treffens widmen.

Das Interview führten Ria und Hans-J. Hinken an Bord der QE im Juli 2013.

Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

Vera Passy: 

Es war ein Wunsch aus der Kindheit. So lange ich denken kann, wollte ich auf die Bühne. Meine Eltern hatten einen Gastronomiebetrieb mit einer großen Bühne, die ich als Spielplatz benutzt habe. Das fand ich so toll, dass ich eigentlich über gar nichts anderes mehr nachgedacht habe. Das war vollkommen klar, es muss Schauspielerei werden.

QE II vor der Künste von Schottland
Foto: © Hans-J. Hinken

Wie ging es dann weiter?

Nach der Schule kam dann eine Phase, in der ich mir gesagt habe, ich bin gar nicht der Typ für ein so unstetes Leben. Da habe ich zu wenig Sicherheit. Nach dem Praktikum an einer privaten Schauspielschule in Köln habe ich mich entschlossen einen Probekurs zu belegen. Ich habe mir gesagt, wenn ich den bestehe, dann ist es für mich ein Zeichen! Das war es wohl auch – ich habe dort die Ausbildung gemacht.

Alexis Kara.

Ich wollte nicht immer Schauspieler werden. Früher wollte ich Biochemiker werden. Habe allerdings in der Schule in der Theater AG mitgemacht.

Nach dem Abitur habe ich keine Schauspielausbildung angefangen, weil mir das zu riskant war. Ich habe in Göttingen Jura studiert.

Dort gab es das Theater im OP, ein Universitätstheater, das wirklich hervorragend ist.

Da habe ich in vielen Stücken mitgespielt und die Freunde kennengelernt mit denen ich Improvisationstheater gespielt habe. In Berlin habe ich dann meinen Abschluss gemacht. Jura ist für mich so eine Art „Jodeldiplom“ gewesen. Mit diesem „Jodeldiplom“ in der Tasche habe ich mit der Schauspielerei weitergemacht.

Haben Sie außer Improtheater auch andere Rollen gespielt?

Ich habe hauptsächlich Improtheater gemacht, teilweise auch Unternehmenstheater. Im Unternehmenstheater waren das für uns recht lustige Auftritte, aber nicht immer spaßige.

Warum nicht spaßige?

. . . wenn es um richtigen Ärger in der Firma ging, da hatte keiner mehr etwas zu lachen. Es ging darum am Anfang einer Unternehmensberatung Humor reinzubringen. Das mache ich jetzt sehr viel weniger als früher.

Wie sieht es mit Bühnenrollen aus?

Zwischendurch habe ich Theater gespielt u. a. mit Ingolf Lück im Stück „Die 39 Stufen“. Das ist ein Krimi von Alfred Hitchkock, den wir auf die Bühne des „Theater am Kurfürstendamm“ in Berlin aufgeführt haben. Danach gingen wir auf Tour nach Hamburg und in andere Städte. Das hat großen Spaß gemacht, vor allem einen festen Text zu haben. Obwohl ich habe es mir nicht entgehen lassen, jeden Abend etwas ein bisschen anders zu machen, schon allein um die Kollegen zu foppen.

Seit 2011 bin ich bei der „heuteshow“ im ZDF als Undercoverreporter Dennis Knossalla.

Haben die Auftritte im Fernsehen Ihre Karriere verändert?

Nein, nicht wirklich. Kann sein, dass es das irgendwann tut. Ich habe jetzt im Sommer auch bei einem anderen Format mitgemacht. Natürlich hat die Tatsache, dass ich bei der heuteshow war das stark beeinflusst. Ich könnte aber jetzt nicht sagen, dass es einen gleich prominent macht.

Sie können sich also noch völlig frei in Deutschland bewegen?

Ja, ja. Das geht.

Wie sehen die nächsten Projekte aus?

Vera Passy
Foto: © Hans-J. Hinken

  Vera Passy:

Ganz regulär wird es mit der Springmaus weitergehen.

Alexis Kara:

Für mich geht es nach der Sommerpause auch wieder weiter mit der Springmaus. Und im September kommt dann die heuteshow wieder.

Es gab noch einen Piloten für eine satirisch-kabarettistische Sendung, die wahrscheinlich im nächsten Frühjahr gemacht wird. Aber das ist noch nicht sicher.

Unterscheiden sich die Auftritte hier auf dem Kreuzfahrtschiff zu anderen Bühnen-Auftritten?

Alexis Kara: 

Alexis Kara – „Undercoverreporter „Dennis Knossalla in der ZDF heuteshow“
Foto: © Hans-J. Hinken

Das ist definitiv ein großer Unterschied.

Das Publikum hat hier relativ viel Geld und ist ein bisschen reifer ist als unser normales Publikum, das wesentlich durchmischter ist.

Und wann hat man schon ein Publikum im Theater, das nicht dafür bezahlen muss. Das ist ähnlich dem Unternehmenstheater. Auch da haben die Leute nicht dafür bezahlt, sondern das Unternehmen. Auch hier muss man sich die Gunst des Publikums viel härter erkämpfen als das bei einem Publikum, das dafür bezahlt in der Regel der Fall ist. Wer bezahlt, der will das auch sehen. Die andern gehen dahin und sagen „da muss ma mal kucken, nä …“

Man muss dann erst einmal zeigen, dass es lustig ist. Die Leute kommen und gehen wann sie wollen. Man hat allerdings auch improvisatorisch noch die Möglichkeit ganz viele andere Dinge einzubauen. Im Theater verwerten wir das „Alltagsleben“ oder wir fragen die Leute nach alltäglichen Dingen, was machen Sie beruflich …, was haben Sie heute so unternommen.

Auf dem Schiff weiß man, was die Leute so ungefähr getan haben. Man kann da über Reiseziel und lustige Sprachen reden, die man nicht kennt oder kann. Die ganzen Eindrücke so einer Reise lassen sich natürlich wunderbar verarbeiten.

Es gibt so ein paar lustige Hinweise in diesen Bord-Newslettern. Da stehen so ein paar Begriffe wie Ja, nein usw.

Alexis Kara – auch bekannt als
Undercoverreporter „Dennis Knossalla“
aus der ZDF heuteshow
Foto: © Hans-J. Hinken

Weiter unten stand dann da: Was kostet das? Auf Isländisch. Da frage ich mich natürlich was es mir bringt, wenn ich auf fließendem isländisch fragen kann, was kostet das. Und dann sagen sie es mir auf isländisch, aber ich kann es gar nicht verstehen. Das sind solche Widersprüche, die immer sehr unterhaltsam und lustig sind. Ich kann allerdings kein bisschen isländisch sprechen. Ich habe mich nur hier und da mal mit offenen Ohren hingesetzt und zugehört. Das ist sehr faszinierend. Eine Sprache, die sehr lustig für meine Ohren klingt.

Beim ersten Auftritt an Bord spielten Vera Passy und Alexis Kara eine Szene, die als zweisprachige Unterhaltung aufgeführt wurde. Ein Gongschlag als Hinweis für den sofortigen Wechsel in die andere Sprache.

Vera:

Wir haben uns vorher darüber unterhalten. Dieses Spiel nennt sich Romolo und ist ein alteingesessenes Spiel im Theatersport. Normalerweise haben wir so ein Nebschnirbi Pritschky, was wie russisch klingt, aber da wir nun kurz vor Island waren, hatte Alexis die Idee, dass wir doch mal isländisch nehmen könnten. Ich dachte mir so: ah, ja… kannst du es mal vormachen? Dann hat Alexis so eine halbe Minute vor sich hingebrabbelt, ehe ich versucht habe, es zu wiederholen. Dann sagte Alexis: ja, ja klingt gut. Und ich sagte ok. Und dann kam die Bühnensituation, da dachte ich nur noch: „go for it“.

(Anmerkung:  Die Zuschauer haben sich vor Lachen gebogen.)

Das hat sehr gut geklappt. Das sind die wirklich schönen Momente, wenn man Improtheater macht, wenn man sich immer wieder mal selbst überrascht, um aus der Routine herauszukommen.

Alexis:

Das ist, was wir tatsächlich aktiv immer wieder versuchen. Es gibt auch Leute, die teilweise nicht glauben, dass das improvisiert ist. Die denken, das ist ja viel zu rund. Das liegt natürlich daran dass wir als ein gutes Team aufeinander eingespielt sind.

Wichtig ist uns, dass wir immer wieder Routinen umgehen.

Natürlich bekommen, wenn wir unseren Zuschauern Fragen stellen oft ähnliche Antworten. Da muss man die Fragen immer wieder mal neu formulieren, um andere Antworten zu bekommen. Und wir bohren manchmal auch etwas tiefer, das soll aber nicht den Effekt haben, dass wir uns quasi etwas herauspicken, was wir gerne haben wollen, sondern wir wollen viele andere Sachen vermeiden. Wenn wir nach Genres fragen, dann kommt meist: Liebesfilm, Horror, Science-Fiction, dann ist schon relativ bald Ende. Wenn man weiter bohrt, dann kommt man vielleicht auf tschechischen Märchenfilm, irgendwas, was weit unüblicher ist. Das ist dann für uns viel reizvoller.

Man kann auch die bekannten Genres völlig anders darstellen. Aber man kann nicht jeden Abend das Rad neu erfinden. Es ist immer wieder schön aus der Routine auszubrechen. Wenn man es dann schafft sich selbst und die anderen zu überraschen. Das zeichnet eine Gruppe aus, die ganz gut ist.

Hier auf dem Schiff machen wir relativ kurze Games. Bei unseren normalen Bühnenauftritten haben wir eher die Langform. Wir fragen die Leute, was sie so machen, beruflich, Hobbies etc. Daraus entwickeln wir mit 2 bis 3 Leuten eine Geschichte oder auch mehrere, die wir dann auch oft miteinander verbinden. Improtheater ist nicht das aneinanderreihen von Sketchen.

Das ist eine wesentlich größere Herausforderung, erfordert viel mehr Nachdenken, ist aber viel reizvoller. Also eine völlig andere Erfahrung im Vergleich zu den Auftritten hier an Bord.

Schauspieler leben ja von Beobachtungen. Welche Beobachtungen haben Sie an Bord gemacht. Welche Charakteren, die Ihnen Anregung gegeben haben.

Vera:

Es sind Stereotypen, wie man sie sich vorstellt. Wir haben alle mehr oder weniger Klischees von Neureichen, und wenn man dann jemanden trifft, der sich so verhält, weil z. B. keine Teller mehr am Buffet da sind, dann muss man innerlich schmunzeln. Aber das geht allen anderen Leuten wahrscheinlich auch so.

Auf der Bühne finde ich es fast schon schwierig – in so einem intimen Umfeld, wie hier auf dem Schifft fast schon sind – so etwas auf die Schippe zu nehmen., weil ich dann das Gefühl habe, dass einer merkt, dass ich ihn gesehen habe. Das will ich nicht, ich möchte niemanden vorführen.

Wir von der Springmaus haben keinerlei Interesse, unser Publikum schlecht dastehen zu lassen. Ich schaue dann immer, wo habe ich so ein Klischee in mir und versuche das zu überspitzen.

Alexis:

Ich finde es hier ganz gut, dass man auf eine gewisse Geschwindigkeit reduziert wird, getreu dem Buch: „Die Entdeckung der Langsamkeit“. Man ist so rollatorgebremst. Ich finde es interessant, gewisse Stereotypen in unterschiedlichen Nationalitäten zu suchen. Wie britischen Leute, wenn sie älter sind, im Unterschied sich zu Deutschen benehmen. Es gibt enorm viele Klischees, denen man so begegnet, die sich dann auch als Wahr herausstellen bzw. so wahr genommen werden. Man muss halt aufpassen, dass man niemanden auf die Füße tritt. Ansonsten sind Klischees ein Großteil dessen, was uns bei der Arbeit wichtig ist.

Wenn wir vom Publikum etwas erfragen, dann ist es ganz häufig das Klischee, das getroffen werden muss, um einen möglichst großen gemeinsamen Nenner zu haben. D. h. wir sind relativ klischeefest.

Wie sind Sie auf das Schiff gekommen? Gab es ein Angebot?

Alexis:

Man hat uns vor die Wahl gestellt: 2 Wochen Knast oder 2 Wochen mit dem Schiff (und lacht).

Nein, wir haben über meinen Agenten eine Anfrage gehabt. Ich hatte das Glück gehabt, dass ich schon einmal auf der Queen Elizabeth mit meiner Familie war.

Die Reise bringt eine Menge Eindrücke mit, die man dann auch wieder gut verarbeiten kann.

Frage an den Techniker: Wie ist es für Sie, mit solchen kreativen Vögeln, wie hier am Tisch, zu arbeiten?

Einwand von Alexis: Er ist genau so kreativ wie wir, er ist nicht nur Techniker. Er macht dramaturgisch enorm viel und ist auch unser bester Kritiker mit Abstand – wegen der Erfahrung, die er hat, aber auch wegen des Sachverstandes.

Tobias Schneider, Techniker
Foto: © Hans-J. Hinken

  Tobias Schneider  – Techniker:

Ich habe den großen Vorteil, dass ich der einzige bin, der es von außen sehen kann. Das ist eine ganz andere Wahrnehmung, wie wenn man auf der Bühne steht. Die Freiheiten, die ich habe, die sind wohl in der ganzen Branche ziemlich einmalig, d.h. mit allem, was ich tue, mit Licht oder auch mit Sound, mit Playbacks, das Ganze zu unterstützen, da habe ich komplett freie Hand. Das macht halt sehr viel Spaß, weil es über das hinaus geht, was man sonst als Techniker gewohnt ist. Das haben wir auch nie so geprobt, das ist über die Jahre gewachsen. Und an manchen Stellen auch aus der Not heraus geboren.

Wir sind normalerweise ein Fünfer-Team. Ich biete etwas an, irgend einen Song oder Sound und dann merke ich wie sie es hören, aufnehmen und umsetzen. Das ist Abend für Abend etwas anderes. Meine Künstler kennen vorher gar nicht die Playbacks. Ich suche die nicht aus und sage hört mal, ich habe da was Neues, sondern das mache ich für mich. Ich setze das dann ein und schaue, was passiert. Und wenn man echte Profis hat, dann entwickelt sich das richtig gut. Das macht dann sehr viel Spaß.

Fotos: © Hans-J. Hinken

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