Traum vom globalen Nachrichtenformat

Internationale Nachrichtensender legen deutlichen Fokus auf ihr Herkunftsland

Eine politikwissenschaftliche Studie zeigt, wie Al-Jazeera, BBC, CNN und andere Sender geographische Schwerpunkte setzen

CNN, BBC, Al-Jazeera: Internationale Nachrichtensender gelten vielen Beobachterinnen und Beobachtern als Garanten einer globalen Perspektive auf das Zeitgeschehen. Tatsächlich jedoch legen die meisten Sender in ihren täglich ausgestrahlten Nachrichtenformaten einen deutlichen Fokus auf ihr Herkunftsland. Afrikanische, südamerikanische und osteuropäische Länder dagegen bleiben stark unterrepräsentiert. Zu diesem Ergebnis kommt Benedikt Strunz in seiner Dissertation „Eine Globale Agenda? Die Nachrichtengeographie Internationaler Nachrichtensender“, eingereicht am Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg.

Benedikt Strunz analysiert in seiner Arbeit die Nachrichten von fünf internationalen Nachrichtensendern: Al-Jazeera English, BBC World News, CNN-International, France 24 und Russia Today. Welche Länder schaffen es in die Nachrichten dieser Sender? Haben bestimmte Länder bestimmte Eigenschaften, die ihre Chance auf Publizität erhöhen? Um diese Fragen zu beantworten, hat Strunz mehr als 800 Nachrichten ausgewertet, die in einem Zeitraum von zwei Wochen aus dem Jahr 2010 aufgezeichnet wurden. Der Politikwissenschaftler analysierte zunächst, welcher Sender welche Länder und Kontinente in den Vordergrund rückt. Anschließend überprüfte er, ob bestimmte Eigenschaften eines Landes, etwa der Machtstatus oder die politische, ökonomische, kulturelle und geographische Nähe zwischen berichterstattendem und berichterstattetem Land, einen Einfluss auf die Häufigkeit seiner Erwähnung besitzen.

Dem Politikwissenschaftler zufolge ist die Perspektive der Sender weit weniger globalisiert, als sie in ihrer Werbung versprechen. 60 Prozent aller analysierten Nachrichten spielen in nur zehn Ländern, allen voran den USA mit etwa 17 Prozent, gefolgt von Großbritannien, Frankreich, Pakistan und Afghanistan. Aufgeschlüsselt nach Kontinenten stehen Westeuropa und Nordamerika mit zusammen mehr als 40 Prozent aller Nachrichten im Fokus, gefolgt von Asien mit knapp 30 Prozent. Zudem rücken nahezu alle Sender ihr ursprüngliches Heimatland besonders stark in den Mittelpunkt – France 24 beispielsweise mit knapp 30 Prozent seiner Nachrichten. Eine Ausnahme macht der im Jahr 2006 gestartete Sender Al-Jazeera English: Sein ursprüngliches Heimatland Qatar spielt in der Berichterstattung des Senders keine Rolle. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin einen möglichen Hinweis auf eine Selbstzensur.

Strukturell ähneln sich die Nachrichtengeographien stark: Alle untersuchten Sender scheinen die Welt in Zentren, ein Mittelfeld sowie eine große Peripherie zu untergliedern. Im Mittelpunkt stehen – neben dem jeweiligen Heimatland – vor allem die G8-Nationen sowie Krisennationen und Unglücksorte. Die Peripherie wird von Ländern bestimmt, die einmal oder nie im gesamten Berichterstattungsraum Erwähnung fanden – zum Beispiel Gambia, Belize, Surinam, Algerien, Litauen oder die Slowakei. Dennoch profilieren sich die jeweiligen Sender durchaus als eigenständige Angebote, indem sie unterschiedliche geographische Schwerpunkte setzen. So wird Al-Jazeera English der Studie zufolge seinem Ruf als Referenzsender für den Nahen Osten gerecht. BBC-World News profiliert sich mit einem besonderen Augenmerk auf Afrika, CNN-International fokussiert stärker auf China und Indien. Russia Today wiederum bildet das Geschehen in den ehemaligen Sowjetrepubliken besonders deutlich ab.

Ein klarer Zusammenhang zwischen bestimmten Ländermerkmalen und der Erwähnungshäufigkeit von Ländern lässt sich indes statistisch nicht nachweisen. Strunz wertet dies als möglichen Hinweis darauf, dass viele unterschiedliche Faktoren bei der journalistischen Nachrichtenauswahl eine Rolle spielen.

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