Wenn Mitarbeiter ihren Arbeitgeber im Netz diskreditieren

Noch ist die Situation so, dass es Unternehmen überwiegend mit solchen Fällen zu tun haben. Das wird sich längerfristig möglicherweise ändern.

Wenn unzufriedene Mitarbeiter ihre „Macht“ im Netz entdecken, dann kann es für Unternehmen schnell sehr kritisch werden. Lästern über den eigenen Arbeitgeber, ist eine Sache. Firmen-Interna ins Netz stellen, hat eine ganz andere Qualität. Die Gründe spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Ob ein Mitarbeiter aus Frust oder aus Lust an der Zerstörung handelt, der Schaden wird in beiden Fällen erheblich sein. Am Beispiel USA wird deutlich, dass sich Unternehmen im Grunde auf das „Falsche“ konzentrieren. Hier wird nach wie vor in die Richtung des „bösen Arbeitnehmers“ gedacht. Es gibt keine totale Kontrolle im Netz. Jeder kann unter falschem Namen präsent sein. Besser ist es doch, wenn Firmen auf ein gutes Betriebsklima setzen, das hat ja schließlich noch andere positive Effekte. Wer von seinen Mitarbeitern Loyalität fordert, muss auch beweisen, dass er diese verdient.

Ein anderes Szenario könnte sein, dass sich unzufriedene Mitarbeiter mit unzufriedenen Kunden verbünden. Manch einer mag jetzt denken, das wird nicht passieren. Sicher?

In kleinen Ansätzen gibt es das schon. Da beschwert sich ein Mitarbeiter eines sehr bekannten Telekommunikationsunternehmens gut und gerne 20 Minuten lang über die schlechten Arbeitsbedingungen. Eigentlich wollte der Kunde sich beschweren, war dann aber angesichts dieser Schilderungen recht verblüfft. Manchmal sind es auch nur die kleinen Randbemerkungen wie: Ich darf nicht länger als 6 Minuten mit Ihnen reden. Oder: Kunden darf ich nicht mit Vorgesetzten verbinden. Gut bezahlte Vorgesetzte bleiben in der „gesicherten“ Anonymität, während die schlecht bezahlten Mitarbeiter den ganzen Frust der Kunden ertragen müssen.

Kundenbeschwerden sind oft hausgemacht

Da gibt die Geschäftsleitung eines Buchhändlers die Order heraus, dass alle Bestellungen mit dem Hinweis auf die Lieferung am nächsten Tag angenommen werden müssen. Und das, obwohl der Mitarbeiter am Computer sehen kann, dass der Großhändler nicht liefern kann. Der Ärger ist vorprogrammiert Dieselbe Geschäftsleitung schickt dann irgendwann ihre Mitarbeiter zu einer Schulung „Umgang mit schwierigen Kunden – wie gehe ich mit Reklamationen um“.  Das ist nicht etwa ein schlechter Witz, nein, das ist wirklich passiert.

Derartige Beispiele gibt es zu hauf. Und irgendwann halten es Mitarbeiter einfach nicht mehr aus. Die Loyalen werden möglicherweise krank. Andere hingegen sehen ihre Chance darin, den Arbeitgeber in den sozialen Netwerken zu diskreditieren – oder Interna zu posten. Natürlich wäre auch Kündigung eine Lösung. Das setzt allerdings voraus, dass man vor Ort einen passenden Job finden kann.

Was Mitarbeiter erwartet, wenn sie im Netz über ihren Arbeitgeber lästern, erfahren Sie von Rechtsanwalt Solmecke.

Rechtsanwalt Solmecke warnt: Über die Firma auf Facebook lästern kostet schnell den Job!

Am Mittwoch gibt es einen Gütetermin vor dem Arbeitsgerichts Herford. Ein Arbeitnehmer wehrt sich gegen eine außerordentliche Kündigung aufgrund eines diffamierenden Facebook-Eintrags. Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Medienrechtskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE warnt generell davor, Kommentare zur eigenen Arbeitsstelle auf Facebook zu posten – und macht auf beunruhigende Tendenzen in Österreich und den USA aufmerksam.

Da platzte dem Arbeitgeber der Kragen: Ein Mitarbeiter aus den eigenen Reihen hatte auf seinem persönlichen Facebook-Account auf das Deichkind-Lied „Bück dich hoch“ verwiesen und den Inhalt des Liedes auf das Arbeitsklima in seiner Firma bezogen.

Das Unternehmen sprach sofort eine außerordentliche Kündigung aus, da die Kollegen und auch die Mitarbeiter der Zulieferfirmen den Post offen lesen konnten und die Firma eine entsprechende Diffamierung der eigenen Arbeitsbedingungen nicht hinnehmen wollte.

Im Verfahren Ca 501/12 wehrt sich der Kläger nun gegen die außerordentliche Kündigung vom 20. April 2012. Für den morgigen Mittwoch ist ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Herford angesetzt.

RA Christian Solmecke: Vorsicht vor Veröffentlichungen auf Facebook
Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Medienrechtskanzlei WILDE BEUGE SOLMECKE: „Auseinandersetzungen wie die vor dem Arbeitsgericht Herford nehmen zu. Immer mehr Menschen veröffentlichen ihre Gemütslange ungefiltert bei Facebook und teilen sich so ihren Freunden mit. Dass oft auch die Kollegen, die Vorgesetzten und die Geschäftspartner aus anderen Unternehmen zu den Facebook-Freunden gehören, wird dabei leicht vergessen. Ist das Profil öffentlich, kann sogar das ganze Internet mitlesen. Das ist dann so, als würde man eine beleidigende Bemerkung zum eigenen Unternehmen direkt in der Zeitung veröffentlichen.“

Fakt ist, dass jeder Mensch das Recht auf eine freie Meinungsäußerung hat. Es gibt aber auch eine aus Paragraf 241 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches ableitbare Loyalitätspflicht dem Arbeitgeber gegenüber: Er darf in der Öffentlichkeit weder herabgesetzt noch bloßgestellt werden. Schmähkritik und Beleidigungen muss ein Unternehmen sowieso nicht hinnehmen. Das Mittel der außerordentlichen Kündigung greift hier schnell.

Rechtsanwalt Christian Solmecke: „Bei Facebook geht es aber nicht nur um unternehmensschädliche oder beleidigende Äußerungen. Leicht kommt es auch bewusst oder versehentlich zum Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen oder zur Meldung von Gesetzesverstößen, was dann als ‚Whistleblowing‘ bezeichnet wird. Als Anwalt kann ich allen Facebook-Anwendern nur deutlich dazu raten, Postings zum eigenen Arbeitsplatz komplett zu unterlassen.“

Gezielte Facebook-Analyse in Österreich und in den USA
Während es hierzulande erst vereinzelt arbeitsrechtlichen Streit um Facebook-Postings gibt, ist die Entwicklung in anderen Ländern schon weiter vorangeschritten.

In Österreich kündigte die Wirtschaftskammer als größter Arbeitgeberverband im Land an, gezielt auf Facebook nach „Tachinierern“ zu suchen. Dabei handelt es sich um „Faulenzer“, die sich auf der Arbeit krank melden, dann aber feiern gehen. Wer zum unpassenden Datum ausgelassene Partyfotos auf Facebook postet, ist schnell überführt.

In den USA ist es sogar inzwischen so, dass die Bewerber bei Einstellungsgesprächen mitunter nach dem Passwort zu ihren privaten Facebook-Accounts gefragt werden, damit die zukünftigen Arbeitgeber hier nach kompromittierendem Material suchen können.

Rechtsanwalt Christian Solmecke: „Ein soziales Profil im Netz ist wichtig und immer eine gute Visitenkarte. Man muss es aber auch pflegen und mit Verstand einsetzen. Der Verstand sollte jedem Anwender sagen: Es ist absolut nicht schlau, auf Facebook über die eigene Firma oder die Kollegen herzuziehen.“


Homepage der Kanzlei: http://www.wbs-law.de/
YouTube-Kanal: http://www.wbs-law.tv
RSS-Feed: http://www.wbs-law.de/news/feed/
iPhone-App: http://www.pocket-anwalt.de
Android-App: http://wbs.is/pocket-anwalt
Facebook: http://www.die-aufklaerer.de

 

Über Redaktion

Impressum Pflichtangaben gemäß § 5 TMG Inhaltlich verantwortlich ist: Ria Hinken Tel. +49 (0) 761 | 2852 7905 Mail: rh(at)konzepte-pr.de Umsatzsteuer-ID DE185565169 Verantwortlich i. S. d. P. Ria Hinken Wintererstr. 7, D-79104 Freiburg Mail: rh(at)konzepte-pr.de
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeine, Social Media, Wirtschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar