Wir beide verstehen uns nicht – Jetzt nicht mehr

Ibsens Gespenster im Akademietheater der Burg Wien am 3.11.12

WIE LANGE DAUERT EIGENTLICH HALLOWEEN ?

Kirsten Dene (Helene Alving), Copyright: Reinhard Werner Burgtheater

Ein 105 minütiges, fulminantes Schauspiel rauscht über die Bühne des Akademietheaters zwischen verklemmtem Klerus, betrunkenen Vätern, liebenden Müttern, liebestollen Töchtern und hilflosen Knaben.

Kirsten Dene (Helene Alving), Martin Schwab (Pastor Manders), Copyright: Reinhard Werner Burgtheater

Sie alle treiben ihr Spiel vor den starren, durchbohrenden Augen des verstorbenen Übervaters, die sich im Verlauf des Stücks mal von Zigarettenrauch, mal von Alkoholrausch vernebelt, die Szenerie überwachen, bis sie vom Sohn in einer Mischung aus Delirium und verzweifelter Auflehnung von der Wand gezerrt werden.
Dazwischen kurze Einspielungen des Cat Steven Songs „Father and Son“.
 Diese temporeiche und tiefgründige Inszenierung wurde von David Bösch, einem jungen deutschen Regisseur aus Ostwestfalen, mit so viel Verve entfaltet, dass einem vom Zuschauen schon schwindelig wird.
Die Bühne und Kostüme, von Patrick Bannwart entworfen, erinnern an alte Hitchcock – Filme, die einem das Gruseln lehren können – alles überzogen von Mega- Spinnweben.
Wenn da nicht die Dene wäre – Kirsten Dene in ihrer

Johannes Krisch (Tischler Engstrand), Liliane Amuat (Regine Engstrand), Copyright: Reinhard Werner Burgtheater äusserst differenzierten Charakterdarstellung der Frau Alving:

selbstbewusst, ironisch, kämpferisch, emotional – eine Etüde auf der Klaviatur höchster Schauspielkunst.
Dazu braucht sie aber auch Kolleginnen & Kollegen, die ihr das Wasser reichen können.
Martin Schwab als Pastor und Vorsitzender der Alving-Stiftung, der kein ostentatives Kirchenkreuz auf Hemd & Mantel benötigt, um seinen missionarischen Kreuzzug zu verdeutlichen. Der Mann ist der Kreuzzug !

Martin Schwab (Pastor Manders), Johannes Krisch (Tischler Engstrand), Copyright: Reinhard Werner Burgtheater

Johannes Kirsch als hinkender und permanent besoffener Tischler Engstrand überzeugt durch stringente Körperbeherrschung und kaskadierenden Suff-Schwall, der dennoch bis in die letzte Zuschauerreihe sehr gut zu verstehen ist.
Liliane Anuat verleiht der Tochter des Tischlers eine starke Dynamik, die engstirnigen Verhältnisse schnellstmöglichst zu verlassen, ohne dabei den scheinbar verlockenden Angeboten ihres Vaters auf den Leim zu gehen. Sie zieht den Sex-Appeal-Joker mit einer verblüffenden Natürlichkeit.

Markus Meyer (Osvald Alving), Copyright: Reinhard Werner Burgtheater

Den Spagat zwischen Genie und Wahnsinn spielt Markus Meyer wie ein junger Berserker, ohne sich und seinen Körper zu schonen. Den Wahnsinn auszuhalten fällt ihm in der Rolle des Sohnes Osvald Alving nicht leicht – überzeugend ist dies offenbar nur im permanenten Alkoholrausch zu ertragen.
Alles in allem eine gelungene Teamleistung – und definitiv kein Stück für Nichtraucher in der ersten Reihe.
Ria und Hans J. Hinken

Akademietheater, Copyright: Georg Soulek, Burgtheater

Über Redaktion

Impressum
Pflichtangaben gemäß § 5 TMG
Inhaltlich verantwortlich ist:
Ria Hinken

Tel. +49 (0) 761 | 2852 7905
Mail: rh(at)konzepte-pr.de

Umsatzsteuer-ID DE185565169

Verantwortlich i. S. d. P. Ria Hinken
Wintererstr. 7, D-79104 Freiburg
Mail: rh(at)konzepte-pr.de

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeine, Theater abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.