CAN YOU IMAGINE? DIE SAMMLUNG MODERNE KUNST | PART II

Pinakothek der Moderne in München

Salvador Dalí
L'énigme du desir, 1929
Öl auf Leinwand, 110,5 x 150,5 cm, Inv. Nr. 14734
1982 erworben mit Unterstützung der Theo Wormland Stiftung
Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Haydar Koyupinar
Salvador Dalí 
L’énigme du desir, 1929 
Öl auf Leinwand, 110,5 x 150,5 cm, Inv. Nr. 14734 
1982 erworben mit Unterstützung der Theo Wormland Stiftung 
Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Haydar Koyupinar

AUSSTELLUNGSDAUER: 09. OKTOBER 2026 – 31. DEZEMBER 2029
MEDIENKONFERENZ: 08. OKTOBER 2026, 11.00 UHR 

ERÖFFNUNG: 08. OKTOBER 2026, 19.00 UHR

GEMEINSAM MIT „DIE NACHT BERÜHRT DIE ERDE. FRITZ WINTERS KOSMOS DER 1930ER UND 1940ER JAHRE“

Die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne präsentiert 2026 ein neues Konzept: Mit der schrittweisen Umgestaltung des Obergeschosses entsteht in drei Etappen ein Rundgang durch mehr als 27 Säle. Am Ende steht ein völlig neues Besuchererlebnis in der Sammlung Moderne Kunst.
Unter dem Titel „Can You Imagine?“ lädt die Präsentation dazu ein, bekannte Werke aus ungewohnten Perspektiven zu betrachten und die Vielfalt künstlerischer Positionen in unterschiedlichen Zusammenhängen zu entdecken. Im Herbst wird der zweite Teil der Ausstellung mit dem Schwerpunkt auf Surrealismus und Kunst der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts eröffnet; im Ostflügel ist bereits Kunst ab 1960 zu sehen.

Im Mittelpunkt der neuen Präsentation der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne steht die visionäre Kraft der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. „Can You Imagine?“ versteht sich als Einladung an die Besuchenden, Sehgewohnheiten zu hinterfragen. Was kann Kunst in uns bewegen? Wie verändert sie unseren Blick auf die Welt – und vielleicht die Welt selbst? Die Ausstellung lädt dazu ein, den Spuren der Künstler:innen zu folgen – und das Verbindende zu entdecken. 

So wird aus der Neupräsentation mehr als ein Rundgang durch die Kunstgeschichte: „Can You Imagine?“ eröffnet neue Blickwinkel auf vertraute Meisterwerke und macht erfahrbar, wie radikal, überraschend und zukunftsweisend Kunst sein kann.

Der Rundgang knüpft an eine chronologische Hängung an und führt von der Klassischen Moderne bis zur Kunst der Gegenwart. Innerhalb dieses Parcours setzen Interventionen, die einer anderen Künstler:innengeneration angehören, inhaltlich Akzente, eröffnen damit unerwartete Dialoge und laden dazu ein, vertraute Werke auf neue Weise wahrzunehmen. Zugleich kehren die prägenden Künstlerräume zurück: Sie rücken zentrale Positionen des Sammlungsbestands in den Fokus und ermöglichen einen vertieften Blick auf ein künstlerisches Schaffen.

AB 09. OKTOBER 2026: PART II

Surrealismus | Saal 12

Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs erschütterte das Vertrauen vieler Künstler:innen in die bürgerliche Moral und die bestehende gesellschaftliche Ordnung. Ab den 1920er Jahren suchten die Surrealist:innen deshalb nach kreativen Auswegen aus dem rationalen Denken und Schaffen – sie öffneten sich dem Traum, dem Unbewussten und dem Irrationalen. Bildende Künstler:innen wie Salvador Dalí, Max Ernst und René Magritte experimentierten mit neuen Techniken, Materialien und Motiven, um verborgene Wahrheiten, tiefsitzende Ängste und philosophische Erkenntnisse sichtbar zu machen. Auch zeitgenössische Künstler:innen wie etwa David Salle und Rosemarie Trockel greifen diese Impulse auf: Mit Montage, Collage und der Verfremdung heterogener Bildelemente hinterfragen sie fortwährend die Wirklichkeit und unsere Wahrnehmung.

Kunst ab 1945 | Säle 11, 13, 15-17, 20

Der Einschnitt des Zweiten Weltkriegs markiert einen tiefgreifenden Wendepunkt in der Kunst. Die erschütternden Erfahrungen von Krieg und Zerstörung werden verarbeitet und zugleich entstehen neue künstlerische Ausdrucksformen, die Grenzen ausloten, gewohnte Ordnungssysteme infrage stellen und das Potenzial von Kunst neu bestimmen. Wie lassen sich Verletzungen und Brüche sichtbar machen? Wie kann Heilung beginnen? Welchen Beitrag kann Kunst leisten, um gesellschaftlichen Wandel anzustoßen und neue Formen des Zusammenlebens zu entwerfen?

Der Wert des Individuums und die Würde des Menschen wurden in den Kriegen und politischen Konflikten des 20. Jahrhunderts vielfach missachtet. In Zeiten existenzieller Bedrohung entstehen Werke von besonderer Aussagekraft. Erfahrungen von Gewalt, Schmerz, Angst und Zerstörung prägen die künstlerische Haltung. Werke von Francis Bacon, Georg Baselitz und Gerhard Richter stehen im Dialog mit Werken von Künstlerinnen wie Ida Applebroog, Marlene Dumas und Käthe Kollwitz. Als zeitgenössische Intervention ist Mounira Al Solh vertreten, die sich mit männlichen Machtstrukturen und weiblicher Emanzipation auseinandersetzt.

Doch auch die Kraft und das Potential von Kreativität und Imagination werden immer wieder von Generationen von Künstler:innen neu interpretiert. Archetypen – Urbilder aus Mythen, Sagen und alten Kulturen – oder einfache, an Kinderzeichnungen erinnernde Figuren erscheinen als gültige Zeichen menschlicher Existenz. Die expressiv-farbigen Werke von Asger Jorn und die Gemälde von A.R. Penck stehen für diesen Ansatz. Skulpturen von Marino Marini verdichten die Figur zu einem zeitlosen Sinnbild der Menschlichkeit. Kreativität wird dabei als Möglichkeit verstanden, grundlegende menschliche Fragen sichtbar zu machen, freies Denken zu entwickeln und eine eigene Haltung zu formen.

In den 1960er Jahren wurde das Denken über Kunst selbst zum Gegenstand der Kunst. Minimal Art und Konzeptkunst machten regelbasierte Strukturen wie Raster, Wiederholung oder Serie sichtbar. Die Arte Povera hingegen bezog natürliche, organische oder historischeOrdnungssysteme ein und arbeitete mit alltäglichen, scheinbar wertlosen Materialien. Mario Merz bezieht sich auf die Spirale als universelles Wachstumsgesetz der Natur. Daneben werden Arbeiten von Rosemarie Trockel, Wolf Kahlen, Jannis Kounnelis und Maliheh Afnan zu sehen sein.

Joseph Beuys wird ein eigener Künstlerraum gewidmet. Die gezeigten Werke kreisen um das Thema der Wärme. Diese hat die Fähigkeit, in Materie einzudringen und sie auch zu verändern. Diese nicht sichtbare, aber spürbare Energie hat nach Beuys evolutionäre Kraft – im Sinne der „sozialen Plastik“, seiner Vorstellung, dass jeder Mensch durch sein Denken und Handeln an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken kann. Die Sammlung Moderne Kunst verfügt durch großzügiges privates Engagement über einen umfassenden Bestand.

Künstler:innen Part II (Auswahl):

Francis Bacon, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Walter Dahn, Salvador Dalí, Marlene Dumas, Max Ernst, Asger Jorn, Mike Kelley, Paul Klee, Maria Lassnig, René Magritte, Marino Marini, Mario Merz, Gerhard Richter, David Salle, Rosemarie Trockel.

Kuratiert von

Oliver Kase, mit Lilith Bitzer I SURREALISMUS | SAAL 12

Verena Hein, mit Anja Heitzer und Eva Schuster I KUNST AB 1945 | SÄLE 11-13, 15-17

Über Redaktion

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