Big Data ist mehr als nur Zahlen, Daten, Fakten

Eröffnungsveranstaltung Big Data Summit 2014

Aus Sicht der Wirtschaft ist Big Data ein wahrer Segen. Immer mehr Auswertungsmöglichkeiten versprechen immer mehr Märkte mit Absatzmöglichkeiten. Doch stimmt das wirklich?  Ja und nein zugleich.

Big Data bietet in vielen Bereichen tatsächlich völlig neue – bislang nicht dagewesene Möglichkeiten der Datenverarbeitung und –auswertung.Derzeit haben allerdings gerade mal 12 % der Unternehmen hierzulande Big-Data-Projekte aufgesetzt.

Immer dort wo es große Datenmengen auszuwerten gibt, um neue Geschäftsfelder zu entdecken oder neue Märkte zu erschließen, kommt man an Big Data nicht vorbei. Das McKinsey Global Institute stellt fest: Big Data ist die nächste große Herausforderung in Sachen Innovation, Wettbewerb und Produktivität.

Frau Dr. Simon, LH

Am Beispiel der Lufthansa wurde auf dem Big Data Summit 2014 in Hanau deutlich, dass Wettbewerbsvorteile heute auf anderen Wegen gesucht werden müssen als noch vor 15 Jahren.

Die Lufthansa hatte in 2013 ein Passagieraufkommen von 66,5 Mio und davon waren weit über 50% Umsteiger. 274 Ziele in 106 Ländern flog die LH an. Um nun die attraktivsten Ziele zu finden, und die Flugzeugtypen dem Passagieraufkommen anzupassen, müssen enorme Datenmengen verarbeitet und ausgewertet werden. Große Datenmengen nützen jedoch nur dann etwas, wenn es dazu die richtigen Fragestellungen für deren Verarbeitung gibt. Und genau hier liegt das Problem.

Viele Unternehmen haben weder die richtigen Fragen und folglich auch nicht die richtigen Antworten, um ihre Geschäftsfelder auf den Zukunftsmarkt auszurichten.

Bei der LH geht es bei Big Data u. a. um die Streckennetzplanung und um eine solide Marktprognose. Da für letztere nicht alle wichtigen Zahlen zur Verfügung stehen, müssen Datenlücken durch das „Bauchgefühl“ ergänzt werden. Derartiges aus dem Munde einer Mathematikern zu hören, löste bei dem einen oder anderen Wirtschaftsvertreter eher ungute Gefühle aus. Allzu gerne möchte so mancher Manager glauben, dass Zahlen, Daten, Fakten die alleinigen Kriterien für den richtigen Einsatz von Big Data seien.

Dr. Hagen Radowski

Dr. Hagen Radowski von MHP – eine Porsche Gesellschaft – hantierte ausschließlich mit konkreten Zahlen, was das Publikum mit Wohlwollen aufnahm.

Er stellte unter dem Titel „In-Memory-Computing von Echtzeit-Daten aus der Motorenentwicklung  bei Mercedes-AMG“ einen Erfahrungsbericht vor, der deutlich machte, dass auch hier die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Big-Data-Projekt die Identifikation von Anwendungsfällen im Vorfeld nötig machte. Dabei wurde auch mit der „Design Thinking“ Methode gearbeitet, um die richtigen Fragesellungen zu finden.

Nicht nur diese beiden Vorträge zeigten, dass in Zeiten von Big Data kreative Prozesse keineswegs der Vergangenheit angehören. Eine weitere Kernbotschaft lautete: Visualisierung – die Schatzkarten der Big Data Welt.

Komplexe Systeme verstehen und sie anschaulich kommunizieren, ist eine Grundvoraussetzung, um in der Welt von Big Data erfolgreich zu sein. Und

„think big – start small“ gilt grundsätzlich auch für Big-Data-Projekte.

Völlig andere Anforderungen hat der Onlinehandel an Big Data. Dort sammelt man  seit längerer Zeit schon Kundendaten in großem Umfang, um daraus Nutzerprofile zu erstellen, die darüber Aufschluss geben, was der Kunde bereit ist zu kaufen.

Der bekannteste Anwender ist Amazon. Dort hat die personalisierte Werbung ihren Siegeszug angetreten.

Wie einflussreich das sein kann, offenbarte einer der Redner auf dem Big Data Summit. Er outete sich durch die Aussage, dass er froh sei, dass Amazon ihm die richtigen Bücher empfehle, weil er so immer auf dem Laufenden ist. Er müsse sich um Neuerscheinungen keine Gedanken mehr machen. Andere Amazon-Kunden sind von diesen Empfehlungen allerdings oft genervt.

„Des einen Freud, des andern Leid“, mag man jetzt vielleicht denken.

Ely Pariser hat bereits in seinem Buch „Filter Bubble“ auf diese Problematik hingewiesen.

Schleichend werden wir von Konzernen so beeinflusst, dass mancher schon nicht mehr bemerkt, dass es durchaus sinnvoll ist, sich seinen Lesestoff aktiv selbst auszusuchen. Lesen wir nur, was uns Konzerne empfehlen, laufen wir Gefahr, auf Dauer eine Denkrichtung vorgegeben zu bekommen, die uns zu fatalen Schlüssen verführen kann. Man kann es auch einfach Manipulation nennen.

Es ist immer noch sinnvoll, sich Bücher anzuschauen, die eigentlich nicht dem entsprechen, was man an Lesestoff bevorzugt. Kritische Geister lesen nicht nur, was ihnen gefällt, sondern was zu einer soliden Meinungsbildung beiträgt.

Ein weiterer großer Bereich für die Anwendung von Big Data sind Auswertungen von Versicherungs-, Bank- und Krankendaten.

Hier kommen gleich vielschichtige Interessen ins Spiel. Die einen möchten gerne wissen, wie sie ihre Erträge durch Minimierung der Risiken steigern können. Die anderen möchten Arzneien und Gesundheitsdienstleistungen anbieten, die großen Umsatz und hohe Renditen versprechen.

Beide Gruppen bewegen sich in einem sensiblen Datenumfeld, das hierzulande noch einen hohen Schutz genießt. Leider machten in letzter Zeit einige Datenskandale von sich reden. Immer häufiger wird der Datenschutz ausgehebelt oder trickreich umgangen.

Und hier setzt das große Misstrauen der Bevölkerung ein.

Es hätte wohl niemand Bedenken, wenn Big Data verantwortungsbewusst in Firmen eingesetzt werden würde, um deren Produkte sicherer, komfortabler und effektiver zu machen.

Die NSA-Affaire hat uns schockiert. Unternehmen wie Privatleute wurden aus ihrem Dornröschenschlaf wachgerüttelt. Plötzlich war der Datenschutz in aller Munde. Viele haben reagiert und ihre Daten sicherer gemacht. Millionen von WhatsApp-Nutzern hat das allerdings nicht tangiert. Sie lassen sich weiter ausspionieren und zahlen bereitwillig an Facebook & Co. mit der neuen Währung in Form von  „personenbezogenen Daten“. Welche Auswirkungen das einmal haben wird, das wissen selbst die Datenkraken wie google und Facebook nicht in letzter Konsequenz. Eines steht jedoch heute schon fest. Nicht nur in Menlo Park, Mountain View, Cupertino und Seattle wird auf Hochtouren an neuen Verwendungsmöglichkeiten dieser Daten gearbeitet.

Während im Ausland ansässige Firmen oft uneingeschränkt unsere Daten abgreifen können, müssen Firmen hierzulande vor allem vor Abmahnfallen auf der Hut sein.

Gerade erst erging ein neues Urteil in Sachen Datenanalyse und mangelhafte Datenschutzerklärung beim LG Frankfurt. Eine juristische Beratung bei einem Fachanwalt für Internetrecht kommt meist sehr viel günstiger als eine Abmahnung.

Versicherungskonzerne und die Pharmaindustrie nutzen jede erdenkliche Gelegenheit, um möglichst keine Chance im Big-Data-Geschäft zu verpassen. Und so werten auch sie die Daten von sozialen Netzwerken aus, um sie mit ihren anderweitig gesammelten Daten zu neuen Profilen, Dienstleistungen und Produkten zu verarbeiten.

Versicherungskonzerne und Onlinehändler haben teilweise ähnliche Interessen: möglichst exakte Angaben über das zukünftige Verhalten einer Person erstellen zu können.

Zurück bleiben die gläsernen Kunden, die gläsernen Patienten und viel Misstrauen.

Was fehlt ist Transparenz bei Politikern und Geheimdiensten. Und was das bedeutet, das wusste schon Mackie Messer: „Und man sieht die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“.

 Ria Hinken

 

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