Global Hack

Global Hack von Marc Goodman

978-3-446-44463-8_21542621315-87Wer bereits Bücher wie „Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich!: Die wahre Macht der Datensammler“ (von Markus Morgenroth) oder
„Die globale Überwachung: Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen“ von Glenn Greenwald und Maria Zybak gelesen hat, dem wird
vieles in „Global Hack“ bekannt vorkommen. Marc Goodman beleuchtet die Risiken der digitalisierten Welt von allen Seiten: Geheimdienste, Kriminelle und Massendatensammler wie Facebook, Google & Co.
Keine leichte Kost, wenn man den Datenschutz ernst nimmt.
Vor wem wir in Zukunft mehr Angst haben müssen, ist noch offen. Fakt ist jedoch heute schon, dass man kaum noch jemandem im Internet vertrauen kann. Und das gilt gleichermaßen für Regierungen wie für Unternehmen jeglicher Art. Alle sammeln hemmungslos unsere Daten, um damit entweder Geschäfte zu machen oder sie gegebenenfalls auch gegen uns zu verwenden. Und bei letzterem muss man nicht einmal selbst kriminell sein.
Interessanterweise lassen sich sogar Menschen, die länger in einer Diktatur gelebt haben, von fremden Staaten und Firmen überwachen. So nutzen sie hemmungslos WhatsApp, Facebook, Google, Angry Bird etc. Spricht man sie darauf an, winken sie ab. Als ob es etwas nützen würde, wenn man vor der Gefahr die Augen verschließt.

Aktuell regen sich sehr viele Menschen, u. a. auch Politiker, über die Manipulation der Diesel-Abgaswerte von VW auf. Über die Manipulationen der Datensammler, die sehr viel weitreichender und in der Konsequenz für uns alle viel schlimmer sein werden, regt sich nur wenig Widerstand. Damit will ich den Abgasskandal von VW keineswegs herunterspielen. Mich wundert nur die Verhältnismäßigkeit.
Hätte VW AGB’s wie Apple (für die Betriebssysteme) oder Facebook, dann müsste der VW-Konzern weder Autos zurückrufen noch sonst irgendwelche Sanktionen oder Gerichtsprozesse fürchten.

Wie konnten derart ungleiche Bedingungen in der Wirtschaft entstehen und akzeptiert werden? Weder Verbraucher noch Gesetzgeber in Europa sahen bislang einen Handlungsbedarf. Blind wird alles akzeptiert, damit die über alles geliebte digitale Welt (scheinbar) in Ordnung bleibt. Das vor kurzem vom EuGH gefällte Safe-Habor-Urteil ist zwar ein Hoffnungsschimmer, das Verhalten der Verbraucher wird es kaum beeinflussen.

In den USA gelten soziale Netzwerke als öffentlicher Raum, deshalb fällt jede Information, die dort eingegeben wird unter die sog. „Drittanbieter-Doktrin“. Konkret heißt das, dass Nutzer keinen Anspruch auf vertrauliche Behandlung ihrer Daten haben. Bei Facebook bedeutet das, dass es ganz egal ist, ob man die Nachricht nur mit Freunden oder öffentlich teilt. Facebook kann mit den Posts und Fotos machen, was es will. Facebook kann die Fotos an Firmen verkaufen. Diese können die Fotos für Werbezwecke nutzen. Also nicht aufregen, wenn demnächst Ihr privates Foto für einen Pornofilm oder eine faschistische Partei wirbt. Und Facebook kann noch mehr. Sie schalten deine Smartphone-Kamera ein und bespitzeln dich, wenn sie es wollen. Du musst nur die Facebook App auf deinem Handy speichern. Bei Google verzichtet man sogar auf das Copyright, wenn man Google Docs benutzt. Marc Goodman führt J. K. Rowling mit Harry Potter als Beispiel auf. Hätte Rowling Harry Potter auf Google Docs geschrieben, hätte sie keinen Cent an ihren Büchern und den Filmen verdient.

„Ich habe doch nichts zu verbergen“ ist eine gefährliche Einstellung in der neuen Datenüberwachungsgesellschaft, schreibt Goodman. Als Beispiel dient ihm u. a. die Vorstellung, Steuererklärungen online zu stellen. Das kam mir dann sehr bekannt vor. Denn genau das habe ich in meinem Artikel „Stellen Sie sich vor, Ihr Arzt würde …“ am Ende auch beschrieben:

Stellen Sie sich vor, die Finanzämter würden die Steuererklärungen der Bundesbürger in öffentlichen Schaukästen für jedermann einsehbar ausstellen. Würden Sie dann beim Anblick Ihrer Steuererklärung noch lapidar sagen: „Ist ok, ich habe ja nichts zu verbergen?“  Link

Edward Tufte (Informatikprofessor in Yale) hat einmal gesagt, es gibt nur 2 Branchen, die ihre Kunden User nennen, das sind Computerdesigner und Drogendealer. Und beide übernehmen keine Haftung bei Gebrauch.

Wir werden immer mehr Risiken durch schlechte Software ausgesetzt. Entwickler haben heute nicht mehr die Zeit, um ihre Produkte sicher zu machen. So entstehen mehr und mehr Sicherheitslücken, die schnell zu einem großen Risiko werden können.
Global Hack ist ein weiteres Buch, das aufklären will. Ich fürchte allerdings, dass auch dieses Buch nicht ernsthaft wach rütteln wird. Die kritischen Geister fühlen sich bestärkt, während es den unkritischen auch weiterhin völlig egal sein wird, was mit ihren Daten passiert.

Global Hack von Marc Goodman

Gebundene Ausgabe: 600 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (28. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446444637
ISBN-13: 978-3446444638
Originaltitel: Future Crimes

Marc Goodman

Marc Goodman ist ein internationaler Experte zu Sicherheitsfragen. Er arbeitet als „Futurist in Residence“ für den FBI, ist Gründer des „Future Crimes Institute“ und berät Interpol zu Fragen der Internetkriminalität. Vorher hat Marc Goodman als Polizeibeamter, Undercover-Ermittler und in der Terrorismusbekämpfung gearbeitet. Er hat einen Abschluss als Master of Public Administration in Harvard und als Master of Science an der London School of Economics. Er spricht Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch.

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