Open Codes. Leben in digitalen Welten

Mit der Ausstellung »Open Codes. Leben in digitalen Welten« widmet sich das ZKM | Karlsruhe erneut dem Thema der Digitalisierung und der Erfassung der Welt durch den binären Code.

Die Welt verstehen, die wir bewohnen.
Die Welt verstehen, in der wir leben.
Die Welt verstehen, von der wir leben.

Wir leben heute in einer globalisierten Welt, die von digitalen Codes kontrolliert und erzeugt wird. Von der Kommunikation bis zum Transport (von Menschen, Gütern und Nachrichten) wird alles durch digitale Codes bestimmt. Die Mathematik und Elektronik haben eine neue, auf Computerprogrammen basierende Welt hervorgebracht, die viele Bereiche unseres Lebens beeinflusst.

360-Grad-Projektionsumgebung, die das ZKM seit 2005 bereits entwickelt. (Bild: ZKM Karlsruhe)

Von Leibniz’ Binärcode bis zum Morsecode, vom kosmischen Code bis zum genetischen Code – wir leben in einer Welt aus Codes. Unser neuartiges Ausstellungsformat »Open Codes. Leben in digitalen Welten«, das ab dem  20. Oktober 2017 zu sehen sein wird, eröffnet die Möglichkeit, in die Welt der Codes zu blicken und diese besser zu verstehen. Die Ausstellung, die zeitgenössische künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten versammelt, wird zugleich eine Mischung aus Labor und Lounge, aus »Club Méditerranée« und Lernumgebung sein.

Mit den BesucherInnen neue, vielleicht auch ungewöhnliche Formate von Bildung und Lernen erproben und in einer gelösten und das Lernen anregenden Atmosphäre neue Zugänge zum Wissen schaffen. Programmieren, Lernen mit Bots und anderen neuen Technologien sollen keine Schranke mehr darstellen. Jedem soll es ermöglicht werden, das »Dahinter« unserer heutigen digitalen Welt zu verstehen. Ob bei freiem Eintritt zu Veranstaltungen, Snacks und Getränken im Museum oder dem selbstverständlichen Arbeiten im Museumsraum – als ein bildungspolitisches Experiment im Bereich »Audience Development« wird die Ausstellung das Leitbild musealen Ausstellens verändern. Das Museum wird sich für die BesucherInnen im wahrsten Sinne des Wortes lohnen.

Die Ausstellung präsentiert Kunstwerke und wissenschaftliche Arbeiten, die sowohl auf analogen wie auch auf digitalen Codes basieren. Sie versuchen die komplexen Dynamiken von Codes zu erklären und wie diese zunehmend die Art und Weise, wie wir leben und wie wir die Welt sehen, gestalten.

Gemeinsam mit den BesucherInnen wollen wir fragen: Wollen wir die Welt verstehen, in der wir leben?

Fr, 20.10.2017 – So, 05.08.2018, ZKM_Lichthof 8+9
Kosten: Museumseintritt

In der Ausstellung präsentiert werden Kunstwerke und
wissenschaftliche Arbeiten, die sowohl auf analogen wie auch auf
digitalen Codes basieren. Die Arbeiten visualisieren und erklären die
komplexen Dynamiken von Codes und wie diese zunehmend die Art
und Weise, wie wir leben und die Welt sehen, gestalten. Die
Ausstellung untersucht, wie Codes in unser Leben Einzug halten und
welche Wissensstrukturen sie hervorbringen. Die gezeigten Arbeiten
untersuchen die physikalischen und mathematischen Prinzipien, auf
denen Codes basieren, und auch ihre materielle Implementierung in
Mikrochips, Relais und Schaltkreise. Codes bestimmen zunehmend die
Produkte, die wir kaufen, die Filme, die wir anschauen, sie registrieren
jede unserer Handlungen und sehen dabei unsere Wünsche voraus.

In der Ausstellung vertretene KünstlerInnen

Cerith Wyn Evans hat Kronleuchter so programmiert, dass sie
blinkende Morsezeichen aussenden. Der Leuchter aus Muranoglas, der
in der Ausstellung präsentiert wird, stammt aus einer Serie von rund 20
Exemplaren, die der Künstler bisher realisiert hat. Dieses Exemplar
sendet auf einen computergesteuerten Flachbildschirm in Form von
Morsezeichen Auszüge aus der von Siegfried Marx herausgegebenen
Publikation Astrophotography: Stages of Photographic Development (1987).

Neben der Präsentation historischer Vorläufer von Computeralgorithmen, welche die unmittelbare Anwendung des binären Codes zeigen, setzen sich andere Arbeiten mit den aktuellen und zukünftigen soziopolitischen Folgen auseinander, die Codes mit sich bringen.

Was passiert, wenn Menschen durch die Handlungen eines „Bots“,
durch Algorithmen, ihr Leben verlieren? Kann ein Bot vor Gericht
gebracht und für schuldig befunden werden? Ist er für sein Handeln
verantwortlich? Helen Knowles inszeniert einen Prozess, bei dem ein
Superthunderbot, ein Computerprogramm aus dem Bereich des
maschinellen Lernens, vor Gericht steht. Dieser Agent zeichnet sich
dadurch aus, dass er seine algorithmische Sequenz unabhängig von
menschlicher Überwachung selbst regulieren kann. Aufgrund der
Aktionen des Algorithmus sind fünf Menschen während der Teilnahme
an einer unkontrollierten klinischen Studie gestorben. Knowles Arbeit
zeigt den fiktiven Prozess dieses intelligenten Algorithmus und wirft die
Frage auf, wer für selbstlernende Softwareagenten zur Rechenschaft
gezogen werden kann (Helen Knowles: The Trail of Superthunderbot,
2016).

Wenn Algorithmen des Mordes angeklagt werden können, dann
können sie auch mit einem Zauber belegt werden. Mit dem Parnass im
Hintergrund stellt James Bridle, ein britischer Künstler, der in Athen lebt, einem selbstfahrenden Auto eine Falle. Die Fotografie zeigt ein  fahrerloses Auto auf einem Parkplatz, das in einem magischen Kreis aus  Salz steht. Da eine künstliche Intelligenz wüsste, dass eine der  wichtigsten Regeln im Straßenverkehr lautet, dass eine durchgezogene  Linie, auf deren außenliegender Seite eine unterbrochene Linie verläuft, niemals überfahren werden darf, ist das Fahrzeug in einem heidnischen
Ritus gefangen (James Bridle: Autonomous Trap 001, Performance-
Dokumentation, 2017).

Manche Anwendungen binärer Codes, wie beispielsweise die
Digitalisierung des Finanzsystems, setzen recht unerwartete soziale
Phänomene frei: Das Künstlerkollektiv UBERMORGEN.COM
thematisiert die Tatsache, dass die Volksrepublik China durch ihre
Mining-Aktivitäten jüngst zum weltweit größten Bitcoin-Produzenten
geworden ist. Mining ist aufwendig und macht allmählich eine neue
Währung in einem Tempo verfügbar, das mit der Geschwindigkeit
vergleichbar ist, mit der Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Diamanten, Nickel,
seltene Erden, Silber, Uran und Zink gewonnen werden. Ein Grund für
das schnelle Wachstum in China ist der Ausbau von Wasserkraft im
Westen des Landes (UBERMORGEN.COM: Chinese Coin (Red Blood),
Videoinstallation, 2015).

Kooperationspartner

Zu den Kooperationspartnern der Ausstellung zählen das Fraunhofer-
Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung, das FZI
Forschungszentrum Informatik, die Akademie Schloss Solitude und das
Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Beteiligte KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen

Morehshin Allahyari, Isaac Asimov, Konrad Becker & Felix Stalder, Lisa
Bergmann, James Bridle, Ludger Brümmer, Anton Himstedt,
Chandrasekhar Ramakrishnan, Götz Dipper, Can Büyükberber, Emma
Charles, Matthieu Cherubini, Arthur C. Clarke, Tyler Coburn, Max
Cooper, Larry Cuba, Ted Davis, Frederik De Wilde, Simon Denny,
Constant Dullaart, Margret Eicher, Jonas Eltes, César Escudero Andaluz
& Martín Nadal, Cerith Wyn Evans, Claire L. Evans, Harun Farocki,
Thierry Fournier, Kristof Gavrielides, Melanie Gilligan, Fabien Giraud &
Raphaël Siboni, Chris Salter, Donna Legault, Julia Ghorayeb, Yannick
Hofmann, Eduardo Kac, Helen Knowles, Jan Robert Leegte, Lawrence
Lek, Armin Linke, Bernd Lintermann, Fei Liu, Christian Lölkes, Solimán
López, Shawn Maximo, Rosa Menkman, Chikashi Miyama, Andreas
Müller Pohle, Jörn Müller-Quade, Helena Nikonole, Julian Oliver, Pakui
Hardware, Julian Palacz, Artemis Papageorgiou, Matthew Plummer-
Fernandez, Julien Prévieux, Betty Rieckmann, robotlab, Curtis Roth,
RYBN.ORG, Karin Sander, Scholz & Volkmer, Karl Sims, Rasa Smite &
Raitis Smits, Space Caviar, Barry Stone, Monica Studer & Christoph van
den Berg, Suzanne Treister, UBERMORGEN.COM, Ruben van de Ven,
Harm van den Dorpel, Danja Vasiliev, Ivar Veermäe, ::vtol::, Clemens
von Wedemeyer, Alex Wenger & Max-Gerd Retzlaff, Where Dogs Run,
Stephen Willats, Manfred Wolff-Plottegg & Wolfgang Maass

Die Ausstellung wurde konzipiert von Peter Weibel und kuratiert
von Peter Weibel, Lívia Nolasco-Rózsás, Yasemin Keskintepe
sowie Natalia Fuchs.

Rahmenprogramm

Die Ausstellung Open Codes. Leben in digitalen Welten wird von einem
umfangreichen Rahmenprogramm mit Vorträgen, Filmvorführungen
und Symposien begleitet.

Zudem organisiert das ZKM gemeinsam mit dem Europarat am Freitag,
den 20. Oktober 2017 die Veranstaltung 4th Council of Europe
Platform Exchange on Culture and Digitisation zum
Thema Empowering Democracy through Culture – Digital Tools
for Culturally Competent Citizens.

Am Donnerstag, 02. November 2017 veranstaltet das ZKM die
Podiumsdiskussion Digitale Souveränität gemeinsam mit dem
Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung,
dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) im ZKM_Medientheater. Hochrangige VertreterInnen
von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik werden über die Sensibilität
digitaler Spuren in der heutigen Gesellschaft diskutieren.

 

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