Senioren sind am liebsten mit dem Auto unterwegs

forsa-Umfrage zur Mobilität älterer Verkehrsteilnehmer

Die Generation 65 plus will möglichst ein Leben lang mobil sein, denn das ermöglicht ihnen soziale Teilhabe und Lebensqualität. Fast allen älteren Autonutzern[1] (93 Prozent) ist es sehr wichtig oder wichtig, dass sie sich selbstständig mit dem Auto fortbewegen können. Das hat eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) ergeben. Befragt wurden 1.002 Autonutzer ab 65 Jahren. 85 Prozent von ihnen sind vor allem mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs, nur zehn Prozent werden zumeist von anderen mitgenommen (Grafik 1).

Wichtig: Fahrtüchtigkeit regelmäßig überprüfen
Insgesamt besitzen mehr als zwei Drittel der über 65-Jährigen einen Führerschein, ein Drittel fährt fast täglich Auto. „Selbstbestimmte Mobilität wird in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger für das soziale Leben“, sagt DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf. „Viele Gesundheitsbeeinträchtigungen stellen sich jedoch schleichend ein und werden von Autofahrern deshalb erst spät wahrgenommen.“

Laut forsa-Studie wären vier Fünftel (82 Prozent) der befragten Senioren bereit, auf ihren Führerschein zu verzichten, wenn sie nicht mehr sicher fahren könnten (Grafik 2). In der Praxis spricht jedoch nur jeder zehnte ältere Autofahrer seinen Arzt auf das Thema „Gesundheit am Steuer“ an (Grafik 3). „Einen einheitlichen Gesundheitscheck für Autofahrer gibt es in Deutschland nicht. Daher sollten ältere Autofahrer ihren Hausarzt darauf ansprechen, dass sie ihren Gesundheitszustand mit Blick auf ihre Fahrtüchtigkeit überprüfen lassen wollen“, rät DVR-Präsident Dr. Eichendorf.

Der DVR, unterstützt vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), hat jüngst die „Aktion Schulterblick. Bewusst und sicher mobil“ gestartet, die auf die Notwendigkeit von freiwilligen Gesundheitschecks für ältere Autofahrer im Straßenverkehr aufmerksam macht (www.dvr.de/schulterblick). Die Kampagne nennt die wichtigsten Ansprechpartner, bietet einen Online-Selbsttest und weitere Informationen rund um das Thema sichere Mobilität. Ziel ist es, Autofahrer zu unterstützen – damit sie möglichst lange und unfallfrei mit dem Auto unterwegs sein können.

[1] Befragt wurden Menschen ab 65 Jahre, die im Haushalt ein Auto haben, das sie auch selber nutzen.

Grafik 1: Häufigste Fortbewegungsarten von Autonutzern ab 65 Jahren

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Von der Motivationspsychologie lernen

Jens Förster, Prof. für Psychologie, Kabarettist und Chansonnier

 Sein neues Buch:

Jens Förster

Unser Autopilot 

Wie wir Wünsche verwirklichen und Ziele erreichen können. Von der Motivationspsychologie lernen

Wie wir unsere Ziele mühelos erreichen –

Vom praktischen Erkenntnisgewinn der menschlichen Selbstregulation

Jens Förster, der auch das Buch „Schubladendenken“ geschrieben hat, nimmt den Leser mit auf eine wunderbare Reise in die Welt der Psyche und des gemeinen Alltags. Er erzählt von Käsebroten, fliegenden Leberwurstbrötchen und gelben Schuhen Sein Schreibstil ist unterhaltsam und spannend. Ich mag vor allem seine Seitenhiebe auf seine ostwestfälische Herkunft. Wenn ich jemanden aus Ostwestfalen treffe, dann muss ich – seit ich sein Buch Schubladendenken gelesen habe – zwangsläufig an einen blauen Anorak denken.

Im Autopiloten geht es um Entscheidungen, die wir tagtäglich zu treffen haben. Unter Zeitnot treffen wir Entscheidungen meist intuitiv, da wir keine Zeit zum Nachdenken und Abwägen haben. Wir sind eher geneigt, nach der ansprechendsten Verpackung zu greifen, denn etwas schön zu finden, braucht keine Zeit – wohl aber, um den Text auf der Verpackung durchzulesen, sagt Förster.

Impulsives Verhalten ist nicht etwa rein zufällig, es basiert auf erprobten Verhaltensmustern. Dennoch kommen wir auch hier meist zu akzeptablen Lösungen.

Natürlich wissen Marketingfachleute längst, dass wir unter Zeitdruck auf bestimmte Muster ansprechen. So ist es auch kein Zufall, dass z. B. in Deutschland hergestellte Produkte wie Nudeln, Eis oder Espresso sich sehr viel besser verkaufen, wenn man sie mit den italienischen Nationalfarben versieht, da Italien für eine hohe Qualität bei diesen Produkten steht. Ähnlich verhält es sich mit Bezeichnungen wie Bio oder Gesund …

Wenn uns Gesundheit sehr wichtig ist, dann nehmen wir uns immer wieder die Zeit, um Produkte genauer zu analysieren. Die Ergebnisse helfen uns bei knapper Zeit, eine schnellere Entscheidung herbeizuführen. Es kann aber dennoch passieren, dass wir auf einen plumpen Werbetrick hereinfallen.

Einbildungen und Vorurteile prägen unsere Stimmung, die ihrerseits auch unser Verhalten beeinflusst.

So glauben manche Menschen, dass sie sich in einem teuren Auto besser fühlen. Kaum sitzen sie in einem solchen Auto, fühlen sie sich wirklich besser, zumindest für kurze Zeit. Derartige Glücksgefühle sind allerdings meist nicht von langer Dauer.

Der Monat November ist für viele Menschen ein Monat, den sie ganz und gar nicht mögen. Grau und düster. Die Stimmung ist im Keller.

Ich liebe den November, schließlich habe ich da Geburtstag. Ist das Wetter schlecht, dann mache ich es mir bei einer Tasse Cappuccino oder Chai gemütlich in meinem Lieblingssessel lese oder höre Musik. Weit und breit also kein Grund, um depressiv zu werden, obwohl um mich herum fast alle mehr oder weniger intensiv klagen, dass es draußen so schrecklich sei.

So wie sich unsere Körpertemperatur wie von selbst einstellt, bewältigt auch unsere Psyche viel Probleme des Alltags ganz automatisch und unbewusst – wie eine Autopilot: Wir setzen uns Ziele und erreichen sie oft ohne viel nachzudenken. Dabei greifen wir auf Entscheidungshilfen zurück, von denen wir nicht unmittelbar wissen, woher sie kommen, und können in der Regel mit Hindernissen, Selbstzweifeln und Rückschlägen gut umgehen.

Warum das so ist, welche Mechanismen und Faktoren hierbei eine Rolle spielen und warum dies bei manchen Menschen besser funktioniert als bei anderen, ergründet ein noch junges Forschungsfeld innerhalb der Psychologie, das der menschlichen Selbstregulation: Es untersucht unter anderem, auf welche Weise wir Absichten verwirklichen oder uns für bestimmte Ziele motivieren und wie wir uns in unseren Steuerungsmechanismen unterscheiden.

Der Sozialpsychologe Jens Förster veranschaulicht jenes faszinierende Wechselspiel von unbewusstem und willentlichen Handeln. Dabei zeigt er auf, wie man die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber hinaus praktisch für sich nutzen kann.

Unser Autopilot

Wie wir Wünsche verwirklichen und Ziele erreichen können. Von der Motivationspsychologie lernen

Jens Förster, Prof. für Psychologie, Kabarettist und Chansonnier

DVA, 336 Seiten, Gebunden, € 19,99

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Nackte Männer – Museums Quartier Wien

nackte männer von 1800 bis heute

Wenn es um Nacktheit ging, dann fast immer nur um Nacktheit von Frauen. Nackte Frauen sind ja mehr oder weniger allgegenwärtig. Da überrascht dieses Plakat, das in Wien für die Ausstellung im Museum Leopold wirbt.

Vive la France

Vive la France

Das Aussstellungsplakat zeigt eines der spektakulärsten Exponate.

Das französische Künstlerpaar Pierre & Gilles ist seit den späten 1970er-Jahren bekannt für ihre prächtig, schwülstig kitschigen Fotoarbeiten geworden. Das Werk „Vive la France“ (Es lebe Frankreich) von 2006 thematisiert die

multikulturelle Gesellschaft Frankreichs, indem es die drei wichtigsten

Bevölkerungsgruppen „Blacks, Blanc, Beurs“ (Schwarze, Weiße, Araber), die der

Öffentlichkeit vor allem durch das Zusammenspiel und die Erfolge der französischen Fußballnationalmannschaft seit 1998 ein Begriff sind, als nackte Helden gegenüberstellt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Januar 2013 zu sehen.

Leopold Museum

Nackte Männer nicht mehr nackt

im MuseumsQuartier Wien
Täglich außer Dienstag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Dienstag geschlossen.

Am 16.11.2012 gab es einen Beitrag im ZDF zur Ausstellung. Das Plakat im öffentlichen Raum sieht jetzt so aus.

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Förderung regenerativer Energieversorgung rechnet sich für Umwelt und Gesellschaft

Nutzen Erneuerbarer Energien überwiegt die Kosten bei weitem

Der Nutzen Erneuerbarer Energien durch vermiedene Umweltschäden und positive wirtschaftliche Effekte stellt die einhergehenden Kosten in den Schatten. Der gesellschaftliche Nutzen Erneuerbarer Energien beläuft sich nach aktuellen Berechnungen allein im Strombereich auf mindestens 21 Milliarden Euro pro Jahr. Dem standen im Jahr 2011 nominelle Aufwendungen von knapp
14 Milliarden Euro für die Förderung umweltfreundlicher Elektrizität gegenüber. „Erneuerbare Energien sind ein Gewinn für Wirtschaft und Gesellschaft, ihre Förderung ist eine Investition in eine bessere Zukunft mit langfristig günstigeren Strompreisen“, folgert der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Philipp Vohrer.

Laut einer vom Bundesumweltministerium geförderten Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und dem Institut für Zukunfts-EnergieSysteme (IZES) bildete die Fördersumme nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit rund 13,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr den größten Posten auf der Kostenseite. Diese Differenzkosten erfassen die im Vergleich zum billigeren aber schmutzigeren Strom aus konventionellen Kraftwerken derzeit noch höheren Aufwendungen für Strom aus regenerativen Quellen. Auf der Habenseite verbuchen die Erneuerbaren Energien jedoch nach Berechnungen der AEE allein im Strombereich Nutzeneffekte von mindestens 21 Milliarden Euro, darunter Faktoren wie vermiedene Umwelt- und Klimaschäden (8 Mrd. Euro), kommunale Wertschöpfung (7,5 Mrd. Euro) oder vermiedene Energieimporte (2,9 Mrd. Euro).

Für den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien reduzieren sich die För-derkosten deutlich. Sichtbarstes Zeichen dafür sind die stark abgesenkten Vergütungen im EEG für Strom aus Photovoltaik. So sinken etwa die Ein-speisesätze für neu ans Netz gehende Solarstromanlagen ab Oktober je nach Anlagengröße auf einen Korridor von knapp 13 Cent/kWh bis gut 18 Cent/kWh und liegen damit bis zu 50 Prozent unter den Haushaltsstrompreisen. „Bei den Förderkosten für Strom aus Erneuerbaren Energien ist der Scheitelpunkt in Sicht; sie werden laut Prognosen ab Mitte des Jahrzehnts schnell und stetig günstiger“, erklärt Vohrer.

Dies liegt daran, dass neue Erneuerbare-Energien-Anlagen immer billiger werden, während sich Strom aus fossilen Quellen weiter verteuert, wie aus den Langfristszenarien im Auftrag des Bundesumweltministeriums hervor¬geht. Hinzu kommen die positiven Umwelteffekte, die vor allem auf die Vermeidung von Treibhausgasen zurückzuführen sind.

Noch nicht berücksichtigt sind in den Berechnungen andere Schäden konventioneller Energienutzung wie das Zerstören von Landschaften durch den Braunkohle-Tagebau. Welche Kosten dies verursacht, wird exemplarisch in der Lausitz deutlich: Für die Sanierung der zur Wende eingestellten DDR-Tagebaue sind von 2013 bis 2017 in den betroffenen Bundesländern Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt im Rahmen eines in diesem Sommer geschlossenen Bund-Länder-Abkommens weitere Ausgaben von rund 1,3 Milliarden Euro vorgesehen, nach rund einer Milliarde Euro im Zeitraum 2008 bis 2012.

„Die Kosten für die Sanierung von Altlasten der konventionellen Energie-wirtschaft steigen. Diese Lasten werden dem Steuerzahler oder künftigen Generationen aufgebürdet und tauchen in keiner Stromrechnung auf“, betont Vohrer. Während die Nutzung fossiler Energiequellen oft mit der unwiederbringlichen Zerstörung von Lebensraum einhergehe, sorge der Ausbau alternativen Quellen für nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven in den Regionen. „Dazu gehören Arbeitsplätze bei mittelständisch geprägten Anlagenherstellern und in Handwerksbetrieben vor Ort ebenso wie Steuer-einnahmen für die Kommunen“, erläutert Vohrer.

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Kunst oder Dreck?

Nicht nur in Paris darf man sich fragen, ob Dreck auch Kunst sein kann.

Was hier Kunst und was hier Dreck oder Abfall ist, das dürfen Sie selbst herausfinden. Viel Spaß dabei.

Kann man aus Dreck Kunst machen?

 

 

 

 

 

 

Eignet sich jeder Dreck zur Kunst?

 

Sperrmüll-Skulptur oder doch nur Abfall?

 

 

 

 

 

 

 

Hat Paris an jeder Ecke ein Kunstobjekt?

 

 

 

 

 

 

 

 

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Meine Daten gehören mir – das war einmal …..

Kaum war dieser Artikel online, da kam auch schon die Meldung über das Forschungsprojekt der Schufa in Zusammenarbeit mit dem Hasso Plattner Institut in Potsdam. Inzwischen, so heißt es, sei dieses Forschungsprojekt eingestellt. Mag sein, dass die Schufa und das Hasso Plattner Institut auf diesem Gebiet nicht mehr zusammenarbeiten, d. h. aber nicht, dass es nicht an anderer Stelle weiter gehen wird. Die Ankündigungen von Apple wirken auf mich auch nicht gerade behruhigend. Es soll nun noch einfacher sein, auf Facebook & Co. Infos & Bilder zu teilen. Ein Klick und schon ist alles online. Wenn ich da an Leute denke, die auch ihre Kinder mit ihrem iPhone, iPad und dem Computer spielen und arbeiten lassen, dann werden wir uns zukünftig noch öfter über ungewollt online gestellte Daten freuen dürfen. Aber auch in Büros wird wohl in Zukunft das eine oder andere Dokument unbeabsichtigt (?) online gehen.

Und Facebook sammelt jetzt noch fleißiger Daten, um die Werbeindustrie, wie man sagt, besser über Kundenbedürfnisse in Kenntnis zu setzen. Aber wer weiß wirklich, für wen und für was FB diesen Daten sammelt.

Filter Bubble – – mehr als nur eine Buchbesprechung –

Wie wir im Internet entmündigt werden

Eli Pariser, 288 Seiten, gebunden € 19,90, erschienen bei Hanser

Google, Facebook & Co. treiben die Personalisierung im Internet massiv voran.

Dies bedeutet, dass wir in Zukunft nur noch die Treffer einer Suche im Internet angezeigt bekommen, die zu unserem Profil passen. Leider bestimmen wir die Ergebnisse nicht selbst, sondern Algorithmen, die im Verborgenen unser Verhalten im Internet aufzeichnen.

Filter Bubble von Eli Pariser

Welche Auswirkungen hat das für uns?

Auf den ersten Blick erscheint es vorteilhaft, wenn uns bei einer Suchanfrage nur noch die für uns scheinbar relevanten Ergebnisse angezeigt werden.

Der Nachteil ist jedoch, dass Google & Co. bestimmen, was für uns wichtig ist. Alternativen, die mich sehr wohl interessieren könnten, werden erst gar nicht mehr angezeigt. Eine Recherche ist bald keine Recherche mehr, sondern nur noch das Ergebnis einer Personalisierung.

Testen Sie es selbst im Büro oder im Freundeskreis. 4 oder 5 Leute geben in ihre Computer oder Laptops denselben Begriff bei Google ein. Sie werden mit Erstaunen feststellen, dass die Such-Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen. Denn für den einen ist Golf vielleicht eine Sportart und für den anderen ein Auto. Das hat Google durch Ihr ganz persönliches Suchverhalten längst gespeichert. Wenn Sie Auto-Fan sind, dann bekommen Sie keine Infos zu Golfclubs. Das wirkt auf den ersten Blick plausibel, ist aber in letzter Konsequenz ein massiver Eingriff in ihre Selbstbestimmung. Vielleicht interessiert Sie ja beides, das Auto und der Golfclub.

Kunden, die dieses Buch gekauft haben, haben auch ….

Glauben Sie nur nicht, dass Amazon Ihnen nur die Bücher empfiehlt, die thematisch zu Ihren Interessen am besten passen. Längst lässt sich Amazon dafür bezahlen, um uns zu sagen, was uns interessieren könnte. Natürlich passt das schon irgendwie zum Profil, es ist aber nicht unbedingt das, was uns wirklich interessiert.

„Wenn du für etwas nichts bezahlst, bist du nicht der Kunde, sondern das Produkt, das verkauft wird“, schreibt Andres Lewis, alias Blue_beetle auf der Website MetaFilter (http://www.metafilter.com/95152/Userdriven-discontent).

Und genau so ist es. Unsere Daten werden gesammelt, verarbeitet, gespeichert usw. usw. Und was passiert damit? Man verkauft sie an den, der am meisten dafür bietet. Denn diese Daten sind „Gold“ bzw. Geld wert. Und wir werden so zu gläsernen Kunden.

Damit nicht genug. Manche User werden auch in „Sippenhaft“ genommen.

Es kann sein, dass die Bank Ihnen keinen Kredit gewährt, weil viele Ihrer Facebook-Freunde mit den Ratenzahlungen im Rückstand sind.

Oft genügt aber schon, dass Sie etwas mögen, was viele Zahlungsunwillige auch mögen, um Sie als kreditunwürdig einzustufen.

Cloud klingt für deutsche Ohren …

… ein bisschen wie geklaut … Aber wer da wem und was klaut, das wissen die Götter.

iCloud

Mit der Cloud kommt die totale Vernetzung. Hier beginnen Daten mit einander zu interagieren. Darüber freuen sich nicht nur Unternehmen, die mit Kundendaten handeln, sondern auch Regierungen und Geheimdienste. Letztere können so viel leichter auf unsere Daten zugreifen. Oft genügt es schon, einzelne Dokumente mit Hilfe von Suchprogrammen zu durchforsten, um scheinbar relevante Informationen auszulesen. Ähnliches machen nicht nur Google bei Gmail, sondern auch Yahoo und Hotmail bei ihren Kunden.

Die Zukunft kommt nicht – sie ist schon da

Die Personalisierung ist unumkehrbar, denn sie wird durch starke wirtschaftliche Interessen voran getrieben. Dafür werden gigantische Rechnerkapazitäten benötigt. Eine dieser sammelwütigen Firmen heißt Acxiom und hat ihren Sitz in den USA.

Acxiom hat Daten von über einer halben Milliarde Menschen weltweit gesammelt. Man kennt dort nicht nur Ihre Familienangehörigen, man weiß auch, ob sie eine Katze oder einen Hund haben, natürlich auch welche Rasse das Tier hat.

Ob Sie rauchen, ihre Kreditkartenabrechnungen pünktlich bezahlen, ob und wohin Sie gerne in den Urlaub fahren, in welcher Apotheke Sie ihre Medikamente kaufen, Ihre Lieblingsfilme & Musik etc. Rund 1.5oo Punkte umfasst ein Profil.

Gesichtserkennung

Mit der Möglichkeit der Gesichtserkennung verlieren wir nach und nach auch unsere Persönlichkeitsrechte und Anonymität. Ein Foto von Ihnen im Netz genügt, um Sie z. B. mit Ihrem Facebook-Profil und diesem Foto zu verbinden. Selbst wenn Sie kein Facebook-Profil haben, sind Sie nicht vor dieser Art Öffentlichkeit geschützt. Es genügt, wenn eine andere Person Sie auf irgendeinem Foto im Internet mit Ihrem Namen kennzeichnet.

screenshot Gesichtserkennung

So funktioniert Gesichtserkennung – Screenshot von face.com
Links bereits erkann – rechts wird gescannt

Originaltext von http://www.myheritage.de/gesichtserkennungstechnologie

„Anmerkung: Die bei der Gesichtserkennung von MyHeritage.de eingesetzten Algorithmen finden wahrscheinlich – aufgrund der genetisch bedingten Ähnlichkeit der Gesichter zwischen Verwandten – Verwandte der Personen auf Ihrem Foto. Das können Sie dazu nutzen, Verbindungen zwischen Personen herzustellen, von denen Sie nie dachten, dass sie verwandt wären.“

Auch das könnte ungeahnte Folgen haben. Und noch eine Website dazu www.face.com.

Das Foto links ist ein Screenshot von face.com. Es zeigt den Scannvorgang der Fotos. Links bereits erkannt, rechts wird gerade gescannt.

Mit http://qik.com/info/overview lassen sich Videos live vom Handy ins Internet übertragen. Das bedeutet, man kann Sie an jedem öffentlichen und privaten Ort – auch unbemerkt – filmen und dies direkt im Internet sehen.

Plötzlich bekommt dieser Werbeslogan eine ganz andere Bedeutung: „Früher oder später kriegen wir Sie“.

Kreditkarten- und andere Daten online

Wie wäre es mit www.blippy.com? Wenn Sie sich hier registrieren, dann können alle im Internet Ihre Kreditkartenzahlungen verfolgen. Und damit nicht genug. Mit http://www.voyurl.com/ kann man auch noch sehen, wo Sie sich gerade aufhalten. Für alle Kontroll-Freaks – privat wie beruflich – ein Eldorado an Möglichkeiten.

Eine Autoversicherung in den USA lässt gerade ein Gerät in Autos einbauen, das alle Daten an die Versicherung übermittelt „Tracks Driver Responsibility“. Gelockt wird mit günstigen Tarifen …. die wahre Währung sind „Ihre Daten“.

Kaufen Sie Bücher wie „Wege aus der Schuldenfalle“ nur nicht online. Sie könnten zukünftig Schwierigkeiten haben, eine Kreditkarte zu bekommen.

Und wenn Sie online Informationen zu bestimmten Krankheiten suchen, dann könnte es sein, dass Sie zukünftig einen Risikozuschlag bei Versicherungen bezahlen müssen.

Eli Pariser

Eli Pariser beschreibt in seinem Buch „Filter Bubble“, was es schon gibt und was die nahe Zukunft noch bringen kann.

Mein Tipp zum Schluss

Das Buch gibt es auch in jeder realen Buchhandlung zu kaufen. Bezahlen Sie am besten bar, dann hinterlassen Sie keine Datenspur, vorausgesetzt, dass es dort keine Videoaufzeichnung gibt, die live ins Internet übertragen wird.

Ria Hinken

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Ein Traum vom Glück

Kurt Weills Broadway Oper STREEET SCENE wurde am 9. Januar 1947 in New York uraufgeführt. Grundlage von Kurt Weills American Opera ist das gleichnamige, 1929 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete und 1931 verfilmte Schauspiel von Elmer Rice, der in seiner Sozialkritik Bertolt Brecht nahe steht.

In der Dresdner Semper Oper kommt diese amerikanische Oper im Jahr 2012 recht ungewöhnlich daher.

Die Bühne zeigt einen Häuserprospekt – auf Lamellen – und gibt vereinzelt den Blick frei auf die Bewohner dieses Mietshauses mit ihren Nöten, Ängsten und Sorgen, ihrem ganz normalen Alltag. Ein Ort, an dem Hoffnung und Verzweiflung unmittelbar nebeneinander stehen.

Volker Thiele hat die Wohnungen der Protagonisten auf 3 Stockwerke verteilt – sie für alle wie in Käfigen oder Ställen sichtbar gemacht. Definitiv ein Kontrast zum prunkvollen Interieur der Semper Oper.

Die Handlung schwitzt sich durch 2 schwüle Sommertage an deren Ende ein Mord aus Eifersucht steht. Die Enge des Zusammenlebens und die soziale Kontrolle gleichen einem Dampfkessel, der sich in jeder Stimmlage entladen kann.

Am intensivsten gelingt dies Caroline Ullrich in der Rolle der Rose Maurrant, die erst im zweiten Teil zum Höhepunkt kommt.

Der Jura-Student Sam Kaplan verehrt und begehrt sie, vermag es jedoch nicht, sich aus seiner schüchternen intellektuellen Rolle zu befreien. Er träumt vom gemeinsamen Glück und möchte mit Rose dem Mief des Mietsblocks entfliehen. Vergebens. Rose geht ihren Weg indie Welt alleine.

Carolina Ullrich (Rose Maurrant), Simeon Esper (Sam Kaplan)

Manche Kritiker vermuten das alter Ego von Kurt Weill im Charakter des Sam, der sich seinen Traum vom Glück durch die Flucht aus der Bedrängnis erhoffte.

Kurt Weill ist der ganz große Erfolg in der „Neuen Welt“ versagt geblieben.

Zu hoffen ist, dass er in der “Alten Welt“ auch durch diese Oper nicht in Vergessenheit gerät.

Durch die spielerisch leichte Inszenierung von Bettina Bruinier und dem musikalischen Parforceritt des Orchesters der Semper Oper unter Leitung des Dirigenten Jonathan Darlington ist dies ohne umschweife gelungen.

Hans-J. & Ria Hinken

Fotos: © Matthias Creutziger

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